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1000 Jahre

Die meisten Menschen meiner Generation kennen Sprüche der Eltern.
Alte Geschichten. Das Ewige.
Am 8. Mai ist alles vorbei, den 20. April, schwarzbraun ist die Haselnuss.

So bin auch ich nicht frei von unserer Vergangenheit. Meine Eltern konnten einfach nicht anders als so sein wie sie in den 1930ern bis zum Ende des Krieges geprägt worden waren in der Zeit der Gewalt und der Gleichschaltung. Eine Jugend in der „HJ“ oder dem „BDM“. Obwohl sie es bestimmt versuchten diese Zeit der Schmerzen zu vergessen, kamen doch immer wieder die dort gemachten Erfahrungen im Alltag durch.

Aber das Motto war eher VERGESSEN. Vergessen die Welt der Göbbelschnauze, des Krieges und die Zeit im Keller während der Bombennächte. Vergessen das Summen der Taschenlampen der russischen Soldaten auf der Suche nach Feinden, nach Schätzen und nach den Frauen – der Mütter. Vergessen die Angst. Vergessen den Hunger nach einer Kindheit.

Erst sehr spät – und weit nach der 68´er Revolte, welche entscheidend dazu beigetragen hat die alten Nazis zu entlarven – wurde bei uns zu Hause über die Erlebnisse des Krieges gesprochen. Es war an Weihnachten, als ich mich – schon fast erwachsen – nicht länger vertrösten ließ und mehr wissen wollte. Und vielleicht war es auch für meine Eltern einfach nicht eher möglich gedanklich noch einmal zurückzukehren in diese furchtbare Zeit.

Nun sind 70 Jahre vergangen seit dem Ende des Krieges. Zu diesem Datum erinnert sich auch unsere Stadt an das Ende. An wichtigen Punkten von Berlin sind riesengroße Plakate aufgestellt worden, die das zerstörte Berlin darstellen. Manche sind sehr beeindruckend, aber meine Eltern sind schon lange tot – viele Zeitzeugen gestorben – und so liegt die Verantwortung nun bei der nächsten Generation, um diese furchtbare Geschichte weiterzutragen. Während meiner Führungen mit der Rikscha durch unsere heutige HAUPTSTADT, geschieht dies sehr oft und fast wie von selbst. An dieser Geschichte kommt man hier einfach nicht vorbei. Und dass ist auch gut so, denn hier war das Machtzentrum und hier hat dieser Scheiß angefangen! ALLE haben mitgemacht und NIEMAND hat hinterher etwas gewusst.

 

Richard v. Weizsäcker

„Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

– Richard von Weizsäcker († 31.01.2015): Webarchiv des Deutschen Bundestages

Rikscha fahren – immer ein Vergnügen.

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