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History repeating

2016


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Die einfache Berliner Bevölkerung steht den Franzosen größtenteils ablehnend gegenüber. Deren Aussehen war ungewohnt, ihre Sprache unverständlich, die Religionsausübung fremd. Mit ihrem Eintreffen wurden Wohnraum und Lebensmittel knapp, Preissteigerungen waren die Folge. Wichtiger noch: Man glaubte die eigene berufliche Existenz in Gefahr und neidete den Zugereisten ihre Privilegien. So wurden ihnen vielfach Hindernisse in den Weg gelegt. Die Zünfte verweigerten die ungehinderte Aufnahme der Fremden, es gab Fälle von Brandstiftungen und zerbrochenen Fenstern durch Steinwürfe. Auch die allgemeine Schutzzusage des Kurfürsten bot keinen sicheren Schutz vor Belästigungen dieser Art.

Zwischen 1696 und 1705 wurden Ehen noch zu 80 % innerhalb der französischen Bevölkerungsgruppe geschlossen. Dies änderte sich schon in der zweiten, mehr noch in der dritten Generation. Auch hier verhielten sich die Bürgerlichen unter den Hugenotten eher konservativ, während Mischehen zwischen Arbeitern und Arbeiterinnen der Manufakturen bald zur Normalität wurden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte sich das Verhältnis nahezu umgekehrt: zu 70 % heirateten Angehörige der französischen Kolonie deutsche Partner. Die eingesessenen Berliner gaben ihre Ablehnung auf – man erkannte an, dass die Neuen weit mehr Vor- als Nachteile mit sich brachten und fand zudem Geschmack an zuvor unbekannten oder wenig verbreiteten Produkten wie Weißbier, Spargel und feineren Salaten. Die ersten, viel besuchten öffentlichen Gartenlokale wurden um 1750 in der Nähe des Brandenburger Tores durch Réfugiés eröffnet. Viele Deutsche bemühten sich sogar um Aufnahme in die französische Kolonie, weil sie dadurch juristische Vorteile erlangen konnten. Immer weniger Réfugiés sprachen Französisch, immer mehr Deutsche wandten es an, oft mehr schlecht als recht.

Die Einflüsse der Französischen Sprache auf die Mundart der Berliner gehen vor allem auf zwei Anlässe zurück: die Aufnahme der Hugenotten seit 1685 und die Besetzung der Stadt durch französische Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Schon im 18., mehr noch im 19. Jahrhundert wurde die Verwendung des Französischen zeitweilig zur modischen Marotte. Die Volkssprache übernahm die Mode auf einer anderen Ebene: Man entlehnte einzelne Wörter oder Redewendungen und orientierte sich dabei nur am Klang des gesprochenen Wortes. Trotzdem ist der französische Ursprung in vielen Fällen noch erkennbar. Boutique (das Ladengeschäft) wird zu Budike, estaminet (die kleine Gastwirtschaft) zu Stampe, clameur (das Geschrei) zu Klamauk, pleurer (weinen) zu plärren. Polier ist abgeleitet von parlier, dem Sprecher oder Wortführer einer Arbeitskolonne. Être peut-être (im Zweifel sein) entwickelte sich zu etepetete, aus avec force (kraftvoll) wurde forsch. In anderen Beispielen ist die französische Herkunft nicht mehr zu erkennen. Der Ausdruck „Kinkerlitzchen“ entstand aus quincailleries (Kurzwaren, Kleinigkeiten). Aus mocca faux (falscher Kaffee) wurde „Muckefuck“ – die hohen preußischen Importzölle auf Kaffee im 18. Jahrhundert veranlassten französische Gärtner, Zichorie anzubauen, deren Wurzeln wurden geröstet, gemahlen und dünnem Kaffeeaufguss als Zusatz beigegeben; das Ergebnis nannten die Franzosen café prussien, café allemand oder eben mocca faux. Dies gilt auch für das Adverb „alle“ (in der Bedeutung „etwas ist alle“, z. B. der Wein ist alle bzw. ausgegangen), was von allé (gegangen) abgeleitet ist.

Text gekürzt übernommen von Wikipedia

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