Blog-Archive

Heilig Abend im Orient

Anthony de Mello erzählt folgende Geschichte:

Es war einmal eine gläubige und fromme Frau, die Gott liebte. Jeden Morgen ging sie in die Kirche. Unterwegs riefen ihr die Kinder zu, Bettler sprachen sie an, aber sie war so in sich versunken, dass sie nichts wahrnahm. Eines Tages ging sie wie immer die Straße hinab und erreichte gerade rechtzeitig zum Gottesdienst die Kirche. Sie versuchte, die Tür aufzudrücken, doch vergebens. Sie versuchte es heftiger, aber die Tür blieb verschlossen. Der Gedanke, dass sie zum ersten Mal in all den Jahren den Gottesdienst versäumen würde, bedrückte sie. Ratlos blickte sie auf und sah genau vor ihrem Gesicht einen Zettel an der Tür. Auf dem stand: „Ich bin hier draußen!“

Mein Freund und Kollege Micha hat in seinem Haus 3  Syrer aufgenommen. Damit leistet er die bestmögliche Integrationsarbeit die man sich vorstellen kann. Außer der alltäglichen Hilfe, welche dieser Menschenfreund den Geflüchteten zukommen lässt, gibt er auch noch Hilfe bei dem Erlernen unserer Sprache und unserer Kultur gratis liebevoll dazu.

Jedoch ist jeder interaktive Kontakt niemals eine Einbahnstraße.

Am heiligen Abend wurden wir von seinen Gästen großartig zu einem wahren Festessen in Neukölln in der Sonnenallee eingeladen. Als gefühlte einzige Deutsche wurden wir nicht ein einziges Mal schräg angeschaut oder komisch behandelt. Im Gegenteil. Wir durften die herzliche Gastfreundschaft der dort herum wuselnden Menschen erfahren. Trotz des großen Gedränges auf der Straße und in allen Geschäften wurde niemand angerempelt. Mit großer Achtsamkeit und großem Respekt schien jeder auf jeden zu achten und RÜCKSICHT zu nehmen. So geriet auch das Essen zu einem wirklichen Festmahl! Sogar die Kinder sprachen meine Begeisterung über dieses Weihnachtsessen sofort nach. „Weihnachtsessen!“ 🙂 Auch den anschließenden Café in der Shischabar durfte ich keinesfalls bezahlen!

Während in den Kirchen die meisten Menschen brav ihren einzigen Gottesdienst des Jahres  absolvierten, habe ich mit 56 Jahren zum ersten Mal ein ganz anders Weihnachten als Gast in meiner eigenen Stadt erlebt. Ich bin dankbar – gerade an diesem heiligen Abend – dieses Geschenk erhalten zu haben. Ganz normale Geschäftigkeit ohne Vorurteile, Aggressionen oder Ablehnung weil WIR die Ausländer dort waren. Eine gelungene Integrationsarbeit von diesen Menschen. Da können wir uns aber eine dicke Scheibe abschneiden von diesem Weihnachtsbraten!

Danke Hamut, danke Allaa Hadin.

Rikscha fahren – immer ein Vergnügen.

20161224_155308

City Chicken  Nr.11 – Lammspieße mit Salat, Pommes und Humus. Sehr Lecker!

20161224_164529

Umm Kulthum

20161224_163357

Sonnenallee 24.12.2016 16:00 Uhr

20161224_151952

Schaufenster-dekoration

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.