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35 Jahre lang

Schattenspiel

Manchmal irren kleine Gruppen von Touristen in meiner Wohngegend umher. Meistens sind es Italiener, die in ihrem Reiseführer vom berühmten Hansaviertel gelesen haben. Hier angekommen staunen sie dann nicht schlecht wie langweilig es hier ist. Außer der  dem Baumkuchencafe an der Ecke mit Dampferanlegestelle (welches bestens von den Touris lebt!) und einer Currybude gibt hier aber auch überhaupt nichts Interessantes zu entdecken.

Ab 25°C sitzen auf meinem Hof zu scheinbar festgelegten Zeiten einige Mieter mit Thermokaffeebechern oder Bierflaschen auf Plastikstühlen und an Plastiktischen und schimpfen über Ausländer, die Regierung, oder über Irgendetwas anderes. Gegenüber raucht eine einsame Dame seit Jahren auf ihrem Balkon. Morgens mit dem Café in der Hand, ab dem Nachmittag mit dem Glas Wein. Sie redet lieber mit ihrem Pudel anstatt mit Menschen. Am Samstag steht der Hausmeister mit einem Besen in der Hand vor dem Haus und tut so als ob er schwer arbeitet. Und dass alles geschieht hier mit stetiger Routine seit 40 Jahren. Jedes Jahr, jede Woche, jeden Tag. Tick tack, tick tack,…

So ist dieses Viertel geprägt von Belanglosem, Stillstand und Klischee. Aber dass sehen Touristen kaum. Dazu muss man hier wohnen.

Eine langweiligere Gegend in Berlins Mitte kann man kaum finden. Dass sehen die Touristen auf Anhieb.

Aber: Rikscha fahren ist immer ein Vergnügen.

Reparaturarbeit

Nach der Tropennacht

Otto Bartning wird festgehalten

Mode im Deutschen Reich

Frühstück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er sitzt die meiste Zeit am Fenster
mit einem Kissen unter’m Arm.
Ist ein Fahrrad auf dem Gehweg,
ist ein Wagen falsch geparkt?
Er ist allzeit bereit und schlägt Alarm.

Vor einem Jahr ging er in Rente,
nun weiß er nicht, wie’s weiter geht.
Sein Wellensittich ist der letzte,
der hin und wieder mit ihm spricht,
wenn er allein vor seiner Fototapete sitzt.

35 Jahre lang
Haken für den Duschvorhang.
35 Jahre lang
Haken für den Duschvorhang.

Früher stand er mal am Fließband
in Halle 24 B.
Er war Kolonnenführer,
denn er hat sich hochgedient.
Die Stechuhr hat seinen Lebenslauf bestimmt.

Sein allererster Blaumann
hängt wie ’ne Uniform im Schrank.
Den Abschiedsbrief der Firma
hat er sich eingerahmt.
Er macht die selbe Frühstückspause wie in all den Jahrn.

35 Jahre lang
Haken für den Duschvorhang.
35 Jahre lang
Haken für den Duschvorhang.

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