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Obdachlos

Flifli – Flafla- Flaschenpfand…

Unser grüner Bezirksbürgermeister von Berlin – Mitte fordert jetzt „auffällige Obdachlose aus Osteuropa, die im Tiergarten campen, abzuschieben“. Natürlich ist der Zustand im Tiergarten rund um den Zoo nicht hinnehmbar und furchtbar. Aber Abschiebung zu fordern ohne eine Lösung anzubieten ist schon krass, finde ich. Da wird von Dassel sogar noch von der SPD links überholt. Etwas menschlicher und unaufgeregter argumentiert da schon die SPD namentlich der Innensenator Geisel indem er sehr richtig sagt: „Soziale Probleme kann man nicht ausweisen, man muss sie lösen. Mit rein repressiven Maßnahmen wird dies nicht gelingen“.

Heute war ich mal wieder auf einem Ausflug durch den Wedding. Dort befindet sich auch die Wiesenburg. Bereits vor 11o Jahren wurde dort 1.100 obdachlosen Menschen ein Schlafplatz angeboten. Das war im armen Berlin auch dringend notwendig. Um die Ecke gab es die Schrippenkirche. Allerdings hat sich auch diese Kirche schon lange von der karitativen Arbeit verabschiedet. Ich machte dort vor über 10 Jahren im Rahmen einer MAE-Maßnahme ein Praktikum und wurde schamlos ausgenutzt. Schon damals waren die Pflege des schönen Gartens – bis heute das Aushängeschild des Hauses – und ein guter Profit wichtiger als die Pflege der Menschen.  So musste ich bereits nach 2 Tagen über 30 Bewohner im Speisesaal tagelang in der Frühschicht alleine versorgen. Die eigentlichen Mitarbeiter des Speisesaals hatten sich mal schnell krank gemeldet. Ein Ersatz war nicht erschienen. Auch Vorgesetzte blieben auf meinen Hilferuf hin untätig. Ich meisterte diese unsägliche Situation trotzdem ganz gut, während im Garten eifrig geplant und gearbeitet worden ist. Die Bewohner mochten mich und warteten geduldig ohne zu murren auf ihr – seit Jahren jeden Tag gleiches – Frühstück, welches ich ihnen gerne zubereitete und servierte. Einen Dank oder gar eine Anerkennung des Hauses gab es nie. Ein vertraglich vereinbartes Zeugnis für diese 3 Wochen blieb aus. Einen liebloseren Umgang mit den Menschen und auch mit mir habe ich selten erlebt. Beide konnten sich damals nicht (mehr) helfen.

Die Wiesenburg liegt seit dem Krieg im Dornröschenschlaf. Ein Spaziergänger mit dem ich eine Weile über den katastrophalen Zustand unserer Gesellschaft sprach meinte: „Aber hier fühle ich mich immer wie im Urlaub“. Ob es den Obdachlosen von Bahnhof Zoo ähnlich geht weiß ich nicht. Der Betreiber eines Anliegers vom Tiergarten meinte neulich in der Berliner Zeitung: „Es wäre ein Paradies für Drogensüchtige und Obdachlose“. Nun hat Herr Ries – wärend seines wohlverdienten Urlaubs in einem anderen Paradies – in von Dassel einen gleichgesinnten Mitstreiter für die „Entsorgung“ dieser gescheiterten Existenzen gefunden.

Ich wünsche beiden, dass sie nie in eine solche Situation geraten mögen.

So aber hat im Nachhinein der tragische Tod unserer Berlinerin (R.I.P.) wenigstens die erneute Diskussion über den Umgang mit gescheiterten Existenzen in unserem reichen Land angestoßen. Gerade noch vor dem Winter. Ob´s hilft? Dazu hier der Kommentar:

Auf den Punkt gebracht

Rikscha fahren – im Sommer mindestens so vergnüglich wie im Garten sitzen.

Wiesenburg 2017

Teilnutzung im Backsteinhaus

Dornröschen

Efeu

Analoge Ampel

Die Panke

Historisches Kopfsteinpflaster

Vaterländischer Bauverein

Im Hof

Im Hof

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