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Charlottenburg

Die meisten Besucher des königlichen Schlosses und dem Park in Charlottenburg gehen achtlos an der Gegend rund um die Schlossstraße vorbei. Gegenüber des Schlosses gibt es schöne, alte Häuser von Friedrich August Stüler zu bewundern, welche heute als Museen dienen.

Vor 100 Jahren prägten dort Militär und Polizei das Stadtbild. Mit Beginn der NS-Diktatur 1933 wurde dort das Polizei-Institut zur zentralen Lehrstätte der Kriminalpolizei gegründet. 1937 in Führerschule der Sicherheitspolizei umbenannt, fanden hier unter anderem Lehrgänge für den höheren Dienst von Gestapo und Kripo statt. “Weltanschauliche Erziehung” und fachliche Ausbildung wurden eins. Der neue Leiter war ein SS-Führer.

Ein Winterspaziergang

Passend zu diesem Thema und den Jahrestagen der Befreiung von Ausschwitz, Dachau und Birkenau ist auf dem Mittelstreifen der Schlossstraße eine Ausstellung von Luigi Toscano zu betrachten. Einige der letzten ÜBERLEBENDEN des Holocaust erzählen dort  von ihren furchtbaren Erlebnissen aus dieser Zeit. Coco Schumann, ein wunderbarer Berliner Musiker, der ebenso von den Nazis missbraucht worden ist, ist in der letzten Woche mit 93 Jahren verstorben. So wird es immer schwieriger lebende Zeitzeugen der Nazizeit zu finden, um aus erster Hand von den Grausamkeiten berichtet zu bekommen. Dass ich mich – als Nachfahre dieser Generation – überhaupt noch einmal ernsthaft mit dem Thema Rechtsradikalismus in Deutschland befassen muss, wäre mir in meiner Jugend nicht ernsthaft in den Sinn gekommen. Die Menschen scheinen doch sehr schnell zu vergessen – sogar einen ganzen Weltkrieg.

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