Blog-Archive

Weltbaum

Foto: Wikipepia/Georg Slickers

An der Bachstr. / Ecke Straße des 17. Juni befindet sich seit über 40 Jahren ein großflächiges Wandbild. Wenn Sie am S- Bahnhof Tiergarten ankommen, um auf den Trödelmarkt zu gehen, ist es schon vom Bahnhof aus nicht zu übersehen. Es wurde als erstes Wandbild Berlins 1975 von Ben Wagin gestaltet. Fahren Sie weiter mit der Bahn, können Sie noch einige andere Werke von diesem Künstler und Kämpfer für die Umwelt sehen; wenn Sie aufmerksam sind.

Das Wandgemälde des Hauses Siegmundshof 21  ist schon sehr verblasst und wird nun bald endgültig hinter dem Neubau eines Bürogebäudes für immer verschwinden.

Ur-Berliner erinnern sich noch gut an die alte Straßenführung an dieser Stelle. Die Bachstraße verschwenkte kurz vor der Ecke nach rechts und umrundete einen kleinen (Park-)Platz auf dessen Mitte lange ein alter BVG-Doppeldeckerbus stand. Es handelte sich um den Baumpatenbus von Ben Wagin. Dieser Teil des Kunstwerks war über die Jahre vollkommen mit Efeu zugewachsen. Der Platz und der Bus verschwanden 2001 – nach 26 Jahren – im Zuge der Entwicklung des Geländes rund um die KPM und der Begradigung der Bachstraße.

Nun ist auch für den anderen Teil dieses Ensembles an dieser Stelle die Zeit gekommen. Aber: In der Lehrterstraße wird es an der Fassade der Kulturfabrik wiedererstehen. Ob es dort jedoch überhaupt wahrgenommen wird ist zu bezweifeln. Touristenmassen gab/gibt es weder damals noch heute dort. Zu Zeiten der Mauer stand dieses Gebäude noch bis 1991 leer, denn diese Straße lag im Schatten der Mauer. Jetzt ziehen dort bald die reichen Leute in den neu errichteten Häuser in der Europacity, nahe des  Hauptbahnhofs ein.

Aber trotz – oder gerade wegen dieser Einöde – war die Straße früher ein begehrter Drehort für manche Filmproduktionen. Die Tordurchfahrt eines Altbaus Ecke Kruppstraße bot einen spektakulären Blick auf den dahinter liegenden, taghell beleuchteten Güterbahnhof an der Heidestraße. Regelmäßig wurden dort Filmaufnahmen gemacht.

An der Ecke Perlebergerstraße befand sich eine Waschstraße  – dem Drehort eines frühen Werkes von Bernd Eichinger mit Benjamin Völz, dem Sohn von Käpt´n Blaubeer in der Hauptrolle. Genau an dieser Stelle steht heute „Das Blaue Haus“. Dort ist eine Zweigstelle der Jugendberufsagentur (JBA) für unter 25 Jährige untergebracht. Diese Behörde drangsaliert alleinerziehende Mütter, indem sie diese so gut wie nur möglich sinnlos schikaniert.

Für den Film „Der Himmel über Berlin“ wurde nebenann eine Kopie der Mauer gebaut, damit Otto Sander und Bruno Ganz gemütlich auf dem Todesstreifen philosophieren konnten. Der Zustand der Häuser in der Lehrterstraße war so schlecht, dass sie als Ost-Berlin durchgingen.

Das alte, heute leerstehende Frauengefängnis, wird in so manchem Berlin-Krimi als Film-Kulisse genutzt. Die bis heute auf der Rückseite stehende Gefängnismauer erinnert stark an die Berliner Mauer. Wenn ich in den 1970´er Jahren in der alte Schwimm- und Ruderhalle des Poststadions schwimmen ging, musste ich das Jammern und Klagen der gefangenen Frauen ertragen. Sie strecken ihre Gliedmaßen so weit wie möglich durch die Gitterstäbe, um  hin und wieder etwas Sonne zu ergattern. 🙁 Oft riefen sie mir Unflätiges hinterher…

Bis vor wenigen Jahren war dort gegenüber das Depot der Kollegen von Berlin Rikscha Tours.

Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.