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Egoisten

Neulich wurde ich mal wieder von Touristen angesprochen und gefragt, warum in Berlin die Radfahrer so schnell und rücksichtslos führen. Dieser Wahrnehmung stimme ich zu 100% zu.

Ich neige zwar nicht dazu Schubladen aufzumachen indem ich pauschal eine Gruppe bewerte, aber die Rücksichtslosigkeit dieser Gruppe scheint tatsächlich stark zuzunehmen. Täglich erlebe ich laut klingelnde Radfahrer die sich millimeterdicht an Fußgängern vorbei drängeln, scheinbar keine Bremse kennen und sich als (umweltbewusste?) Verkehrsteilnehmer total frech und außerordentlich gefährdend verhalten. Da werden Ecken über den Gehweg abgekürzt, mit Vollgas im Tiergraten gerast oder einfach nur gedankenlos gefahren, als gäbe es niemand anderen. So gesehen entwickle ich immer mehr Verständnis für die Argumente der AUTOFAHRER; nämlich dass sich die Radler an keine Regeln halten. Stimmt leider zu großen Teilen!

Solange die Großstädter – egal mit welchem Verkehrsmittel  –  hektisch der Zeit nachjagen und weiter verlernen in unserer Stadt friedlich MITEINANDER klarzukommen; so lange das Handy klüger und wichtiger scheint als der Mitmensch, wird es wohl eher kälter werden bei uns. Und so geschieht was nur natürlich ist; der Mensch wird wieder zum Tier – selbst getrieben und gejagt. Immer auf den eigenen Vorteil bedacht. Genau so empfinde ich das Leben in der Großstadt heute.

Das sich die Gesellschaft so sehr gewandelt hat, so dass normale Umgangsformen nichts mehr bedeuten und nur noch das virtuelle Leben im Vordergrund steht tut mir weh. Niemand hält sich z.B. beim Gähnen mehr die Hand vor den Mund. Sieht ja sowie niemand, da alle genug mit sich und dem Internet beschäftigt sind. Vielleicht muss ich mir mal eine rosa Brille besorgen. Vielleicht ist dann die Welt wie ich sie mir wünsche…

Strohhalme und Plastiktüten zu verbieten um so angeblich die Meere vor der endgültigen Verschmutzung zu schützen empfinde ich als zynisch. Genau wie „saubere“ Dieselfahrzeuge oder s.g. Mietpreisbremsen. Wer schützt uns vor dem Untergang der Welt durch den ungebremsten Turbokapitalismus?

Ein Paradabeispiel eines Egoisten ist in mehrfacher Hinsicht ist wohl der Vielflieger Lee Cimino. Nicht nur, dass er ständig fliegt und damit die Natur stark schädigt – NEIN – er ist auch noch stolz wie Bolle, wenn er dabei Geld einsparen kann indem er in seinen Mantel Taschen einnähen lässt um das Handgepäck dort zu verstauen. So kann er MEHR und immer MEHR mitzunehmen ohne dafür zu bezahlen. Das tun andere. Ein perfektes Bild für unsere Gesellschaft finde ich.

Aber solche Mäntel gab es schon einmal in Berlin. Nach dem Krieg auf dem Schwarzmarkt vor dem Reichstag. Da kostete dann ein Brot eine Schachtel Lucky Strike. Meine Familie überlebte u.a., weil mein Opa ein Zigarrenkiste voller FEUERSTEINE besaß…

 

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