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Osterfeuer

Als ich noch ein aktives Kirchenmitglied war, wunderte mich immer die Bigotterie und Sturheit der Mitglieder. Am Weihnachtsabend kamen dann noch scharenweise fremde Menschen in die Kirche und stellten ihre Pelze und ihre goldenen Uhren zur Schau. Dann waren viel mehr Menschen als normalerweise anwesend. Manche der seltenen Gäste schauten während des Gottesdienstes unentwegt auf ihre Armbanduhr, so als könnten sie das Ende dieser langweilgen Pflichtveranstaltung gar nicht mehr abwarten.

Nun hat es in Notre Dame gebrannt. Auch hier und jetzt überbieten sich reichsten Menschen mit ihren Spendenangeboten, als gäbe es dadurch die Absolution im Himmel. Moderner Ablaßhandel? Tatsächlich aber mindern diese Menschen ihre Steuerpflicht auf diese Weise sehr medienwirksam, vom gemeinen Volk  sogar noch bewundert und gewinnen dadurch die Kontrolle über „den Zehnten“ zurück. So spenden sie geschickt, für einen gezielten Zweck und verhindern, dass es womöglich für hungernde Menschen in Kriegsgebieten, für den Umweltschutz oder gar für den Sozialstaat verwendet wird, den diese Kreise natürlich ablehnen.

Aber Vorsicht: Abgerechnet wird zum Schluß!

Frohe Ostern!

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