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Bericht aus Berlin

Eine Woche der Proteste von „Extinction Rebellion“ geht zu Ende. Was habe ich erlebt?

Ich erlebte die Ignoranz und den Egoismus von 90% der Menschen.

Die Demonstranten jedoch strahlten eine große Liebe und Zuversicht aus. Sehr besorgte, junge Menschen blockierten friedlich zahlreiche Brücken in Berlin und weltweit und brachten so den Alltag eher geringfügig durcheinander. Aber anstatt einmal nachzudenken worum es diesen vielen Menschen geht begegneten mir die unterschiedlichsten Argumente warum dieser Protest sinnlos sei.

Dabei ist mir aufgefallen, dass das Hauptproblem der Gegner war sich nicht schnell genug voran bewegen zu können. Egal ob Autofahrer, Fußgänger, ja sogar Rikschafahrer betrachteten diese weltweite Grossdemonstration als überflüssig. Oft genannt wurde eine Panikmache oder die persönliche Einschränkung der Freiheit mit dem Auto (freiwillig in dem alltäglichen Stau stehen zu dürfen). 😉 Auch „es ist sowieso zu spät“ oder „es ist noch immer weitergegangen“ waren oft genannte Argumente der Zaungäste. Bis hin zu der Forderung diesem Spuk durch die Polizei schnell ein Ende zumachen! Am meisten wurde aber die Störung des allzu bequemen Alltags bemängelt. Alles soll so weitergehen wie bisher ohne lästige Störungen. Jede Behinderung im Verkehr löst unbändige Wut in den Menschen aus; egal ob zu Fuß oder mit 2, 3 oder 4 Rädern. Alles strebt entschlossen vorwärts als gäbe es am Ziel mehr als das Paradies. Als könne man die eingesparte Zeit in Glück umzuwandeln.

Meiner Meinung nach braucht es einen sehr langen, friedlichen Atem der Jugend um auch die letzten Egoisten WELTWEIT zu erreichen und zum Innehalten; ja zum Nachdenken und bestenfalls zum Umdenken anzuregen. Wenn jedoch 90% der Gesellschaft nicht bereit sind diesen kleinen Wimpernschlag ihres Lebens zu opfern um etwas der aktuellen Umweltpolitik und der damit verbundenen Zerstörung der Welt entgegenzusetzen, sehe ich tatsächlich schwarz für die Rettung der Erde und der Menschheit. Wahrscheinlich wird es einfach so verlogen weitergehen wie bisher. Die Menschen werden weiterhin Sklaven des Kapitals, der Mode und/oder der angestrebten Perfektion sein und damit dem Schlachtruf für ein ungebremstes Wachstum folgen, koste es was es wolle.

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