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Terre de Moab

Foto: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz; Visualisierung Ingenieurbüro Vössing

Wie heute berichtet wird, ist geplant die gute, alte Turmstraße für den Anschluss der STRASSENBAHN umzubauen. Ab 2022 soll die Verlängerung der Linie M10 vom Hauptbahnhof bis zur U9 an der Turmstraße fertig werden. 😉 Dadurch fallen sämtlich Parkplätze auf dieser Straße weg und 85 Bäume auf der Strecke dazu. Zugegeben, recht hübsch sieht die Visualisierung des Planungsbüros aus. Und rechnen können die auch. Zitat: „Auch wenn die Kosten der Tram am Ende über der jetzigen Schätzung, die auf dem Niveau von 2013 basiert, liegen werden – pro Kilometer werden sie sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag beschränken. Dagegen schlägt die U5-Verlängerung in Mitte mit 250 Millionen Euro für jeden Kilometer zu Buche. Die Straßenbahn wäre am besten geeignet, kurzfristig und dennoch nachhaltig den Verkehr zu verbessern“, hieß es.

Kurzfristig, dass ist die Denkweise der Politik. Nur rechnen die meisten Politiker nicht mit der Realität. Der schöne, neue, rote Radweg ist nicht räumlich von der Straße abgetrennt und trotzdem vollkommen frei. Hahaha. Die teuere U-Bahnlinie U 55 (insgesamt 1 MRD Euro!) wird seit 10 Jahren unter der Straße „Unter den Linden“ erweitert, dort wo kein wirklicher Bedarf herrscht weil die Menschen auch zukünftig lieber die Sehenswürdigkeiten anschauen oder die gute alte S-Bahn mit Aussicht nutzen werden.

Der Park wird vom Ingenieurbüro Vössing als menschenfreundlicher Raum dargestellt. Tatsächlich lungern dort allerlei finstere Gestalten herum, um dort was auch immer zu tun. Niemand hält sich gerne dort auf. Die Parkbänke sind zu Wohnstätten von Obdachlosen und Säufern verkommen, die nicht wissen wo sie sonst bleiben können in ihrer Not. Die Wege im „Park“ sind voller Glasscherben und was weiß ich noch für Dreck. Jeder geht hier so schnell weg wie er nur kann. Sogar die Kirche hat einen stabilen Zaum um ihren Garten gebaut um den Schmutz und das Wildpinkeln abzuwenden. Einen Politiker sieht man niemals – weder im Park noch in der Kirche.

Fazit: Lieber 380 Millionen in eine Fluglinie investieren, anstatt in langfristig nachhaltige Dinge. CONDOR sagt: „Wir freuen uns, dass wir Sie auch weiterhin zuverlässig (3x im Jahr) zu ihren Reisezielen fliegen können.“

Jedes Mal mit 2-3 Tonnen CO2 Verbrauch pro Person .

Setzen. Weitermachen.

Nachtrag vom 23.10.2019 Tagesspiegel:

Die Bezirksverordnetenversammlung hatte das Bezirksamt aufgefordert, sich mit Polizei und Ordnungsamt „über ein gemeinsames Vorgehen bezüglich der Verkehrskontrollen unter anderem auf der Turmstraße“ zu beraten. Ein besonderes Augenmerk solle dabei „die verstärkte Kontrolle des freizuhaltenden Radweges“ darstellen.

So antwortet nun das Bezirksamt: Die „Problematik der Falschparkenden auf der Turmstraße“ sei „bekannt“. Die Berliner Polizei habe dem Bezirksamt mitgeteilt, dass Falschparker täglich festgestellt und zur Anzeige gebracht werden. Je nach Personalkapazität des Ordnungsamtes werde die Turmstraße „bestreift“. Eine durchgehende Kontrolle sei auf Grund der personellen Ressourcen des Ordnungsamtes aber nicht möglich. In „unregelmäßigen Abständen“ würden Fahrzeuge auf dem Radweg abgeschleppt. Darüber, wie häufig das passiere, „kann keine Aussage getroffen werden, da die Turmstraße nicht gesondert statistisch erfasst wird“.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist lediglich, dass es durch die geplante Parkraumbewirtschaftung in Moabit künftig mehr Kontrollen geben soll.

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