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19. Dezember – ein trauriger Tag

Als ich heute auf dem Breitscheidplatz versuchte an der Gedenkfeier vor der Gedächtniskirche teilzunehmen wurde mir zunächst der Zutritt verweigert. Zu viel Prominenz. Sicherheitsstufe I. Erst ein Polizist mit Herz gewährte mir den verspäteten Zutritt. Danke dafür! Vor und nachher durfte ich jedoch andere Betroffene kennen lernen.

Da war zunächst die Betreiberin des Entenangelbeckens, die heute genau gegenüber des Zoo-Palasts steht, dort steht wo der LKW seinen Weg in den Weihnachtsmarkt nahm. Auch sie war enttäuscht darüber, dass der Marktbetrieb bis um kurz vor 20.00 Uhr gnadenlos weiterging, wo doch inmitten des Platzes die Trauernden trauen wollten. Der Frau rannten während unseres Gespräches noch immer die Tränen über die Wangen, so sehr erinnerte sie sich an diesen Abend 2016. Erst um kurz vor acht wurde der kommerzielle Betrieb eingestellt und die Lichter für 10 Minuten gelöscht. Es war der Moment an dem vor 3 Jahren das Attentat geschah.

Auch hinterher lernten Renate und ich 3 nette Frauen kennen, die nur wegen der roten Ampel am Kino gerade noch dem Anschlag entgangen waren. Sie berichteten, dass sie nur durch ihre Arbeit im Kino über dieses Trauma hinweg kamen. Dieter Puhl berichtete mir, dass er in diesem Jahr das erste Mal Weihnachten mit seinen Enkeln verbringen wird…

Es war wie immer sehr bewegend inmitten dieser Gruppe zu sein und mitzufühlen. Einige Menschen schauten zwischendurch auch an den Himmel. Ob als Gruß zu den Opfern oder wegen der Angst durch die über uns zu hörenden Flugzeuge weiß ich nicht.

A propos Angst: Frau Chebli stand nach der Trauerfeier am Breitscheidplatz gut abgeschirmt vom 3 Bodyguards neben mir und war mit sich selbst gut beschäftigt. Bedenklich fand ich nur, dass ich im Augenwinkel bemerkte, wie einer der Beschützer auf mich zeigte um einen Polizisten auf mich aufmerksam zu machen. Weil ich telefonierte? Jedenfalls tat er anschießend so, als ob nichts wäre… Schon gruselig, diese abgehobene Welt der Prominenz ohne jeglichen Kontakt zum echten Leben. Ich ging dann mal meines Weges vorbei an der Polizeipräsidentin. Die Polizeibeamten salutieren vorschriftsmäßig auf die Berliner Art…

Schon an den Weihnachtsfeiertagen steht die nächste Trauerfeier an. Dann in Khao Lak, wo 2004 allein dort geschätzte 5.000 Menschen beim Tsunami ertranken.

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