Tagebuch

Möhrenstraße

Da ist sie wieder – die Diskussion um den Namen dieser Straße. Mohrenstraße, Petersallee, Lüderitz, um nur einige Beispiele zu nennen wo es hakt mit der Umbenennung. Bereits im Jahre 2009 hatte Heidermarie Wieczorek-Zeul (SPD) eine Umbenennung erfolglos angeregt. Mit der Umbenennung der Straßen in Ost-Berlin wurde damals nicht lange gefackelt. Schwuppdiwupp waren Wilhelm-Pieck, Otto-Grotewohl, Clara-Zetkin, Dimitroff, Lenin, Engels, Karl-Marx-Stadt und störende Denkmäler aus der Zeit in der „DDR“ 😉 verschwunden.

Bis die Mohrenstraße endlich aus dem Stadtbild verschwunden ist wäre eine Diskussion wünschenswert. So lange könnte diese Straße ja einfach wieder als Möhrenstraße gekennzeichnet werden. Kaufen Sie sich einfach kleine, schwarze Klebepunkte und legen Sie los… Dann können Sie bestimmt sehr leicht Bekanntschaft mit unserer Polizei machen, die bei solch kleinen Ordnungswidrigkeiten schnell und eifig zur Stelle ist. Bei wirklichen Verbrechen sieht es schon ganz anders aus. Und natürlich sind keinesfalls sämtliche Beamten auf dem rechten Auge blind blind. Eher schon unsere politisch Verantwortlichen im Leugnen oder sogar Vertuschen solch kranker Strukturen. Amri, NSU, NSU 2.0, oder Thilo Sarrazin lassen grüßen.

Wie sagte unser Innenminister gestern sehr bezeichnend: „Die Einzelfälle von Rassismus, rechter Gewalt oder gar rechten Strukturen in der Polizei oder der Bundeswehr rechtfertigen kein Racial Profiling. Immerhin seinen in zwei Fällen Beamte entlassen worden. Acht Fälle wurden mit Geldbußen, einem Verweis oder einer Gehaltskürzung geahndet.“ Na dann…

Hier folgt ein Beitrag von Inforadio der auch auf der RBB24-Seite gepostet worden ist. Anschließend veröffentliche ich hier die öffentlichen Kommentare – nebst meines von der RBB24-Redaktion zensierten Beitrags – die sehr deutlich zeigen welche Meinungen bei den RBB-Zuschauern vorherrschen und wie weit es mit der Aufarbeitung unserer Vergangenheit her ist. Lüderitz war kein Massenmörder. Prost Mahlzeit.

Donnerstag, 23.07.2020 | 09:26 Uhr

Grundsätzlich sollte keine einzige Straße außerhalb der Disposition stehen, umbenannt zu werden. Das meine ich ganz nüchtern und ganz ernst. Als Mensch halte ich es für falsch, an solchen Benennungen zu kleben. Die Welt geht nicht unter, dass sich die Postadresse ändert, obwohl der Wohnort gleichgeblieben ist. Es gibt sogar Menschen, bei denen sich die eMail-Adresse in sehr kurzen Abständen ändert, so dass nahezu keine einzige eMail-Adressenliste als aktuell gelten kann.

Eine „Schlussbilanz“, die zu einer Straßenbenennung Anlass gibt, kann mithin so oder so aussehen. Auch ist sie im Gegensatz zu Unternehmensbilanzen niemals zu Ende. Alles ist eine Frage der Abwägung und die gilt es, ruhig vorzunehmen. Was mich am Meisten freuen würde: Dass bspw. Yithak Rabin endlich eine Adresse bekäme. Bisher ist ja nur eine Auto-Fahrbahn quer durch den Tiergarten nach ihm benannt worden, nicht aber eine Straße. Er hat mehr verdient. Und die hier im Artikel Genannten weniger.

Donnerstag, 23.07.2020 | 09:41 Uhr

„Wir sollten Verbrecher aus der Kolonialzeit nicht mehr ehren“ – das ist nachvollziehbar. Kann aber, das mich an die China in den 1950/60 erinnerne „Kulturrevolution“, nicht verstehen. Auch das gehört zur Deutschen Geschichte. Für mich wird damit die Geschichte geglättet. Was aber kommt danach, wenn alles weg ist, was uns Deutsche ausmacht? Zieht dann der Mob durch die Straßen und vergreift sich an Menschen, die anderer Meinung sind? Wie eben in China in den 40/50ziger Jahren?
Was ist dann aber mit Luther, der im letzten Jahr noch überbordend gefeiert wurde, dass man dafür sogar Obama heran karrte. Oder mit der Kommunistenikone Marx? Oder Hitlers Lieblingskomponist Wagner?
Gibt es, je nach politischer Ausrichtung und Gebrauch, gute Rassisten und Antisemiten?

Donnerstag, 23.07.2020 | 10:02 Uhr

Gibt es wirklich keine anderen Probleme in dieser Zeit?
Das Beste wäre alle Straßen zu nummerieren. Aber Vorsicht! Nummern wie 88, 191, 194 oder 1919 könnten dann wieder falsch ausgelegt werden. Langsam wird diese Haarspalterei einiger Wichtigtuer einfach lächerlich. Mal von den Kosten ganz abgesehen.

Donnerstag, 23.07.2020 | 11:31 Uhr

Warum wurde in Namibia die Stadt Lüderitz bis heute nicht umbenannt? Vielleicht kann Frau Bechhaus-Gerst der dortigen Bevölkerung behilflich sein.

Donnerstag, 23.07.2020 | 11:49 Uhr

Ich erwähnte das schon mehrmals bei dieser Thematik.
Ich bin schockiert,wie sich unsere Gesellschaft und Regierung, von einer offenbar gelangweilten Minderheit treiben lässt.

Donnerstag, 23.07.2020 | 12:20 Uhr

Sie haben das gut erklärt.
Ich finde auch, solche Umbenennungen sind Ausläufer einer Ausradierung von Geschichte, die für betroffene Völker oftmals in Einseitigkeit, politischer Unterdrückung und Uniformität endete.
Menschlichem Freiheitsverlust geht immer der im Denken voraus.
Wenn sie jemanden ehren wollen, können sie auch Bahnhof- & Marktstraßen umbenennem.
Ich finde es auch dreist, das manche Gruppen meinen, ihnen stehe das Recht auf diese Umbenennungen zu.
Gerade Deutschland ist bei Akzeptanz, Förderung und Gleichberechtigung kultureller Minderheiten weltweit ein Vorbild.
Traurig, dass nur wenige Gruppen dies erkennen und zu würdigen wissen.

Donnerstag, 23.07.2020 | 12:52 Uhr

Lächerlich. Lüderitz hielt ich für einen Städtenamen. Wie Wolfsburg. Der wäre dann nämlich auch falsch. Und Eisenhüttenstadt. Chemnitz ist ja gottlob rückbenannt. Aber jede Straße der Freiheit (wessen Freiheit in der DDR?) und jede Karl-Marx-Straße (wie viele Todesopfer forderte der Marxismus-Leninismus?)sollten bitte recht rasch umbenannt werden. Diese ganze DDR-Zeit gehört wegen Unfreiheit auch ausradiert. Überall. Auch bei Straßennamen.
Wer A sagt, muss auch B sagen. Und dann die Ortsnamen, Oranienburg, Dachau – alles weg.

Ich kann verstehen, dass Menschen mit anderer Hautfarbe sich bei „Mohrenstraße“ angesprochen fühlen – ich habe es bis zur Diskussion jetzt niemals mit sog. Farbigen in Verbindung gebracht! Ich hielt es für einen Nachnamen! Hier schreibt immer Johannes Mohren einen Absacker – der ist weizenblond und Rheinländer – aber jetzt werde ich immer an die Straße dabei denken…

Donnerstag, 23.07.2020 | 12:54 Uhr

Mensch Wolfgang, ich danke für diesen lustigen Humor :-)! Genau so hätte ichs auch geschrieben.
Es gibt wahrlich andere Probleme und es werden in naher Zukunft vielleicht noch mehr.
Stichwort Arbeitslosigkeit und ferner das Corona-Hilfspaket, dem Deutschland vorwiegend beisteuern wird.

Nächstes Jahr sind ja Wahlen xD. Mal schauen. Wird spannend.

Donnerstag, 23.07.2020 | 13:11 Uhr

Zukünftig vielleicht Tiernamen? Da gibts genug von.

Donnerstag, 23.07.2020 | 13:46 Uhr

Ich kann mich nur den vielen sachlich denkenden Vorrednern anschließen. Jede Zeit, jedes System hat seine Spuren hinterlassen. Lieber aufklärende Tafeln statt Umbenennung. Und außerdem, ich empfand Straßennamen noch nie als eine Ehrung für irgendwas/ irgendwen. Bei absoluten Schwerverbrechern wäre eine Umbenennung noch einzusehen, aber nur weil jemand oder etwas historisch belastet ist…
Ich kann auch den einen Kommentar nicht verstehen, es wäre doch nicht so schlimm diese Namensänderung. Doch, ist es. Denken Sie mal an Selbständige, gerade Kleine, die nicht alles digital machen. Und dann haben Sie irgendwo mal nicht aufgepasst, den alten Namen verwendet, dann kommt ein Anwalt der Klagemafia und würgt Ihnen teuer eine Abmahnung rein.
Schluss mit der Hexenjagt. Bildung und Information statt ausradieren der Vergangenheit.

Donnerstag, 23.07.2020 | 14:24 Uhr

Ich hab mich schon gewundert, wo das Thema plötzlich hin verschwunden ist, und da ist es wieder, gibt es ein Loch zu füllen, ist die „Diskussionsfreudigkeit“ zu gering.
Einfach lächerlich. Irgendeiner könnte bei Irgendeinem immer etwas aus seiner Vergangenheit ausgraben.

Donnerstag, 23.07.2020 | 14:44 Uhr

Ich wohnte in einer Straße, die nach einem DDR-Außenminister benannt war. Und schon der war für die oberen Herren zu schlimm, um beibehalten zu werden. Also: weg mit den kolonialen Namen. Es kann nicht sein, dass ein normaler Minister schlimmer gewesen sein soll als koloniale Massenmörder.

Donnerstag, 23.07.2020 | 14:52 Uhr

Wenn Strassennamen geändert werden, dann sollten darüber Gerichte entscheiden. Aktuell gibt es die Lüderitzstr. 27x in Deutschland. Sollte der Name geändert werden müssen, aus von Gerichten festgestellten Gründen, dann sollte es überall geschehen und nicht nur dort wo die meisten Schreihälse sind.

Donnerstag 23.07.2020  I  15:05 Uhr  (WURDE NICHT VERÖFFENTLICHT!)

Nachdem mein erster Kommentar nicht veröffentlicht worden ist, habe ich mir noch einmal ganz genau die hier veröffentlichten Reden durchgelesen. Fast alle konterkarieren für mich den Sinn des voraus gegangenen Artikels. Manchmal wird in den Texten die Geschichte verharmlost, einmal mit den nächsten Wahlen „gedroht“, manchmal sind sie rassistisch und manchmal werden die Schreiber sogar als eine gelangweilte Minderheit, Hexenjäger oder Schreihälse herabgewürdigt. Alles in Allem ein tragisches Bild der Leser und vor allem der Schreiber in diesem Forum.

Bezeichnend ist auch; dass mutmaßlich gerade die Menschen um die es hier geht keine einzige Stimme hatten. Zur Erinnerung der letzte Absatz des Beitrags:

Da ist es noch sehr stark so, dass weiße Menschen hier das Sagen haben und die Macht haben, zu sagen,nein, wir meinen das nicht rassistisch, wir haben das immer so gesagt, was soll daran schlimm sein?„.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:09 Uhr

Ich vergaß noch etwas. Selbstverständlich gehen dann bei einer gerichtlich festgestellten Straßenunbenennung sämliche entstehenden Kosten zu Lasten der Klage eingereichten Instutition.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:21 Uhr

Ständig wird uns vorgehalten, wir müssen mit unserer Geschichte leben und dürfen nichts vergessen.
Aber alles, was dran erinnert, soll man ändern?
Was für ein Blödsinn!
Zu jedem Namen wird es irgendwann mal jemanden gegeben haben, der nicht gut war.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:22 Uhr

„Schreihälse“? Warum sollte man Menschen, denen es nicht egal ist, dass ein Straßennamen an Verbrechern erinnern, so bezeichnen?

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:25 Uhr

Genau mein Gedanke. In Namibia stört sich niemand an den Namen.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:26 Uhr

Es ist schon erstaunlich dass zu irgendwelchen Themen auf einmal sogenannte Fachleute und Fachleutinnen auftauchen und denken sie haben die Meinungshoheit und sagen uns was zu verschwinden hat und was nicht. Ich war vor 2 Jahren und Lüderitz in Namibia. Ich habe, wie immer auf meinem Reisen ( und habe wirklich aus beruflichen Gründen die Welt gesehen)mit vielen Einheimischen gesprochen. Die fanden es super toll, dass ich aus Deutschland kam und keiner, hat, nach der deutschen Historie gefragt, Kritik geübt. Das “ Schlimmste“ was kam war, dass damals vielleicht alles aus heutiger (!) Sicht nicht so toll gelaufen ist, aber die Deutschen hätten viele positive Grundlagen für die Nachkolonialzeit gelegt. „Sonst hätten wir heute keine Strassen, Eisenbahn, Arbeitsplätze in den zurückgelassen Betrieben „. Das war der Tenor. Vielleicht sollte dich die Dame mit dem Doppelnamen mal vor Ort schlau machen. Und wenn Einheimische kein Problem haben, müssen wir und das hier nicht einreden lassen !!!

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:35 Uhr

Lüderitz war kein Massenmörder, sondern Kaufmann, das Dorf dort zu eine kleinen Stadt ausbaute in der viele Menschen Arbeit in der Fischerei und in den Diamantenmienen, zu sicherlich , aus heutiger Sicht (!) nicht den besten Bedingungen, Arbeit faden. Er hat dem Stamm dort mit einem Trick etwas zu viel Land abgeluchst. Das ist das negative was man ihm nachsagen kann. Viele der nachfolgenden Generationen arbeiten heute noch in den selben Gewerben, unter für Afrika relativ guten Bedingungen und sind happy und im Gegensatz zu vielen Anderen einen Job zu haben. Ich habe mit dem Besitzer des größten Fischreibetriebs dort gesprochen , einem schwarzen Einheimischen. Er ist den Deutschen dankbar dass sie den Grundstein für die heutige, relativ gute wirtschaftliche Lage gelegt hat.Es wird wird sicherlich auch Einheimische geben, die die Historie kritischer sehen. Er könne das Verstehen und es sind meist alte Menschen . Die sind aber, laut dem Chef eindeutig in der Minderheit.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:43 Uhr

Straßen sollten am besten nur noch nach Tieren und Pflanzen (aber bitte Fleischfresser meiden)benannt oder besser noch einfach durchnummeriert werden. Wer weiß schon heute, wie in ein paar Jahrzehnten die political correctness ausschaut und was dann aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden muss.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:45 Uhr

Einfach tiefer hängen.

Gewiss gibt es zuweilen immer wieder Menschen, die alles, was den Demokratietest nicht besteht, zu Klump hauen, abreißen möchten und keinesfalls restaurieren. Hier geht es allerdings um Straßennamen, die im Laufe der Jahrhunderte mal so, mal so und mal völlig anders hießen. Das hat mit der Untersagung einer Meinung nichts zu tun, es sei denn, der Kritisierende setzte das alles gleich. Dann aber wäre das psychologisch im gewissem Ausmaß eine Projektion.

Donnerstag, 23.07.2020 | 15:58 Uhr

Seit Jahren findet immer jemand etwas was ihn in Berlin stört.
Erst das Ampelmännchen / Weibchen , Gebäude , Straßennamen etc.
Das nächste wird wohl der Berliner Dialekt diskutiert werden.
Mensch Leute sieht ihr denn alle mit bem Klammerbeutel gepudert ?

Rikscha fahren in Berlin ist immer auch politisch!