Tagebuch

Schaumwolken über Berlin

In Berlin wird gebaut. Ständig und Ewig. Seit Jahrhunderten. In diesem Jahr wird bereits die 2. große Baustelle endlich fertig, denn heute wurde der vollkommen überfüssige „Lückenschluss“ der U-Bahnlinie 5 eröffnet und die Betriebserlaubnis an die BVG übergeben. Wie immer zu solchen Anlässen gab es eine wie gewohnt gleichklingende, positive Berichterstattung der Medien. „Da sieht man wie sich das Rad dreht“. Besonders peinlich war jedoch der sehr provinziell gestaltete eigene Livestream der BVG. Dort hieß es, es gäbe einen „großen Ansturm“ ; Schaumwolken über dem Himmel von Berlin wurden angekündigt. Auch wurde von einer baldigen Amortisierung der 860.000.000 € Baukosten! für die Gesamtstrecke vom Alex zum Tor – natürlich erst nach Corona – gesprochen. Na schauen wir mal.

Nach der Entfernung der krebserregenden Asbesteinbauten im Palastes der Republik von 1998 – 2003 hatte ich angeregt das Gebäude nun als DDR-Museum zu nutzen. Mit „Originalveranstaltungen“, „Originalessen“, „1:1 Zwangsumtausch ohne Rücktauschmöglichkeit“ und dem Duft der originalen Putzmittel auf den Toiletten! Das hätte wahrscheinlich viel Geld in die Kassen unserer hoch verschuldeten Stadt gespült. Udo mit den Puhdys live im Palast auf ewig! Ich sehe noch immer die Schlangen der Touristen vor dem Haus. Gebaut wurde stattdessen für eine knappe Milliarde eine unbedeutende Rekonstruktion des Berliner Schlosses. Geschichte wird gemacht.

Nun wurde also die Verlängerung der U5 bis zum Hauptbahnhof eröffnet. Mit der Eröffnung des Bahnhofes  „Unter den Linden“ wird der U-Bahnhof „Französische Straße“ geschlossen. Sämtliche Vorschläge für eine Nachnutzung dieses historischen Ortes als wurden bisher abgelehnt. Ich bin gespannt was dort geschehen wird. Ich schlage vor dort wieder den alten Zustand der Mauerzeit herzustellen. Farbe ab, Lampen auf 40 Watt gedimmt und 2 Vopos postiert. Eindringlicher kann wohl die schräge Vergangenheit von Berlin zu Zeiten der Teilung nicht dargestellt werden. Und es entstehen neue Minijobs als Vopoimitation! Günstiger kann man den neuen Geisterbahnhof wohl nicht bewachen lassen. Alternativ wäre aber auch ein exklusiver Saunabetrieb (Friedrichstraße!) schön. Die Bahnsteigkanten einfach mit Spiegelglas verglast und drinnen einen Infinity-Pool zum Betrachten der U-Bahn gebaut. Eine integrierte, öffentliche Toilette müsste aber die Voraussetzung für die Genehmigung werden, denn die einzige Toilette – ein historisches Toilettenhäuschen Marke „Café-Achteck“ auf dem Gendarmenmarkt – wurde in diesem Jahr entfernt.

Fotos: Screenshots U-Tube/Berliner Mauer von 1961 bis 1989 – S-Bahn Geisterbahnhof Potsdamer Platz HD