Nie wieder ist jetzt

Heute wurden vor dem Gymnasium Tiergarten in der Altonaerstraße, in Anwesenheit der Enkeltochter und einer kleinen Gruppe Menschen, zwei neue Stolpersteine, zum Andenken an Nathan und Ida Hess, verlegt. In der Einladung hieß es: „Nathan war von Beruf Schneider, liebte aber auch das Angeln und Schreiben. Er schrieb für die Zeitschrift Freie Angler. Ida war Näherin und kochte gerne. Sie hatten drei gemeinsame Kinder und lebten hier glücklich und zufrieden bis zur Nazizeit. Nathan und Ida versuchten mehrmals Deutschland zu verlassen, aber es gelang ihnen nie. Sie wurden 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet.

Die Veranstaltung wurde von einem Polizisten und einer Polizistin „beschützt“. Den beiden Beamten war es wichtiger, dass dieser weißgott superbreite Gehweg vollständig durchgängig blieb. Die Magie, die Ungestörtheit dieses emotionalen Momentes zu achten schien ihnen weniger wichtig zu sein. Als ich die beiden im Nachhinein und die große Schuld unseres Volkes ansprach, sprachen sie sich selbst und stellvertretend auch gleich noch ihre Vorfahren von jeder persönlichen Schuld frei. Sie alle hätten damit nichts; aber auch gar nichts damit zu tun gehabt. Soso. So geht Geschichtsbewußtsein heute in Teilen der Polizei.

So habe ich nun heute wohl zwei der wenigen Menschen kennengelernt, die  weder Täter noch Mitläufer aus der Nazizeit in der Familienchronik haben. Und das einen Tag nachdem ich den Film „Zone of Interest“ über den Lagerkommananten von Auschwitz, Rudolf Höß, gesehen habe.  Nachhilfe in Geschichte gibt es zur Zeit im Kino.