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    9. November

    Bevor heute manche Menschen dem Geschehen am 9. November 1938 gedenken, wurde gestern mit einer bewegenden Ansprache einem anderen Heiligtum gehuldigt. Dem Flugverkehr. Schon tagelang wurde in unserem kleinen, lokalen Sender RBB von dort berichtet; vom „Flughafen der Herzen“ gesprochen. Das sehen viele Menschen aus der Einflugschneise bestimmt ganz anders. Die Berichterstattung erschien doch in etwas in die Jahre gekommen; so wie dieser Ort selbst. Hier der letzte Akt der Schließung vom „Flughafen der kurzen Wege“ Nicht ganz so belanglos aber dafür sehr gut nachzuverfolgen ist „Ihr letzter Weg“ . Der Weg auf dem 30.000 Jüdinnen und Juden – von der Bevölkerung vollkommen unbemerkt – quer durch Moabit in die…

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    Möhrenstraße

    Da ist sie wieder – die Diskussion um den Namen dieser Straße. Mohrenstraße, Petersallee, Lüderitz, um nur einige Beispiele zu nennen wo es hakt mit der Umbenennung. Bereits im Jahre 2009 hatte Heidermarie Wieczorek-Zeul (SPD) eine Umbenennung erfolglos angeregt. Mit der Umbenennung der Straßen in Ost-Berlin wurde damals nicht lange gefackelt. Schwuppdiwupp waren Wilhelm-Pieck, Otto-Grotewohl, Clara-Zetkin, Dimitroff, Lenin, Engels, Karl-Marx-Stadt und störende Denkmäler aus der Zeit in der „DDR“ 😉 verschwunden. Bis die Mohrenstraße endlich aus dem Stadtbild verschwunden ist wäre eine Diskussion wünschenswert. So lange könnte diese Straße ja einfach wieder als Möhrenstraße gekennzeichnet werden. Kaufen Sie sich einfach kleine, schwarze Klebepunkte und legen Sie los… Dann können Sie…

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    Mit dem Gecko spazieren gehen

    Nunmehr lebe ich seit 60 Jahren in meiner liebgehassten Stadt, neuerdings als Grossvater. Noch immer denke ich, dass ich ganz gut Bescheid weiß und mit der Zeit gehe. Aber natürlich ist dem nicht so. Dazu habe ich einfach viel zu wenig Kontakt zur Jugend. Diese feiert seit Wochen zu hunderten in den Parks und kümmert sich einen Scheiß um Cororna. Genau wie sich die Bevölkerung kein bisschen um wirklichen Umweltschutz oder die Arbeitsbedingungen von anderen Menschen in Fleischfabriken, auf Spargelfeldern, in Krankenhäusern oder bei Paketzustellern interessiert. Einfach weitermachen wie bisher scheint die Devise zu sein. Gleichgültigkeit fast überall. Was kümmert uns die Welt. Hauptsache wir können billig reisen, billig wohnen…

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    Shutdown

    Nun hat auch die letzte kulturelle Einrichtung geschlossen. Hauptsache die Frisöre bleiben geöffnet! Die Gegenmaßnahmen sind: Rikscha fahren – immer ein Vergnügen.

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    Schöne Töne in D-Moll

      30 Jahre Einheit und Gleichheit und Brüderlichkeit. Vor dieser Zeit gab es wirklich schöne, handgemachte Erkennungmelodien. Können Sie sich daran erinnern? Als es noch Pausen- und Pausenzeichen in der Medienlandschaft gab? Lang ist´s her! Also – mach mal Pause! Heute:

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    Kudamm

    Gestern traf ich einen Menschen aus alten Kudamm-Tagen. Tommy war der Geschäftsführer von ZIP Records – DEM Schallplattenladen Berlins. Später arbeitete er bei WOM. Wer kennt diesen Laden noch? Wir unterhielten uns zwar nur kurz, waren uns aber sofort einig, dass sich unsere Welt sehr zum Nachteil verändert hätte. Und dass wir das Glück gehabt hätten in einer Zeit des Wachstums, der Berlinzulage und einer einigermaßen zivilisierten Gesellschaft gelebt und gearbeitet zu haben. Und wir waren uns auch einig, dass es viele falsche Vorbilder gibt in diesen Tagen. Dann steig Tommy in der M19, winkte mir freundlich zu und ging seiner Wege. Gott beschütze Thomas und die Unseren die diese…

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    Maybe Bag

    Das Foto zeigt das berühmte Einkaufsnetz der Bürger in diesem Land, das s.g. „Maybe Bag“. Ein Einkaufsnetz, was in der Tasche keinen Platz beanspruchte, und immer zur Hand war, falle es etwas zu ergattern gab. Zur Not konnte man damit aber auch schon mal eine Kommode oder den betrunkenen Ehemann transportieren. So stabil war das Material. Jetzt ist aber eine wirkliche Menschenverachterin gestorben. Bis zum Ende ihres Lebens meinte sie, die DDR wäre ein vorbildlicher Rechtsstaat gewesen. Nun hat der Teufel ihre Seele geholt. Endlich! Wer sich von den Methoden der Stasi im System DDR ein Bild machen möchte, dem empfehle ich den Besuch des alten Stasi-Gefängnisses in Hohenschönhausen. Dort…

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    Seit gestern 9:00 Uhr ist Frühling im Tiergarten

    Spüren Sie es auch? Die Vögel zwitschern und die Luft duftet nach Erde. Der Kuckuck klopft an den Baum. Frieden. So fühlt sich Frühling an. Zartes Blau erblüht neben der ehemaligen Siegesallee. Wenn Sie mit (m)einer Rikscha durch den erwachenden, farbenfrohen Tiergarten fahren, könnte es passieren, dass Sie vom Sowjetischen Ehrenmal zum Potsdamer Platz fahren ohne zu bemerken, dass Sie gerade im Begriff sind eben diese alte, blau blühende Siegesallee entlang zu fahren. Dort waren zwischen 1895 und 1901 im Auftrag Kaiser Wilhelms II. 32 Standbilder aufgestellt worden. Von Teilen der Berliner Bevölkerung als „Puppenallee“ belächelt, weil sie die glorifizierende Darstellung der Hohenzollernherrscher zu Recht als etwas übertrieben empfanden. Im…

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    Mit der Rikscha durch die Stadt

      Wenn Sie die Marl-Marx-Allee mit offenen Augen entlang gehen, können Sie noch einige Zeugen der alten Zeit entdecken. Der Charme aber auch der Verfall und manche Armseeligkeit sind dort zu sehen. Auch im Westen kann man an so mancher Straßenecke den Zahn der Zeit erkennen. Rikscha fahren – immer ein Vergnügen.

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    Schneckenrennen

    Steigt man aus der Rikscha aus und verlangsamt das Tempo noch einmal drastisch, so wird auch der Blick auf die Gesetze der Natur geschärft. Zuerst sah ich, dass die Gartenkunst der Kollegin Barbara jetzt erst vollkommen ist. Anschließend konnte ich ein Schneckenwettrennen an der Wand vom Schloss Bellevue beObAchten. Als wir dann vom Anhalter Bahnhof in den Park am Gleisdreieck – das alte Rangiergelände des Anhalter Bahnhofs und des Potsdamer Güterbahnhofs – liefen, entdeckten wir so manches Juwel, was hinter Zäunen offen oder auch versteckt die Zeit gesegnet hatte. Ein wunderbarer Spaziergang zu einer wunderbaren Herbstzeit. Aber sehen Sie selbst:        

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    Rechtsruck in Europa ?

    Der Rikschafahrer berichtet: Die Idee für die Stolpersteine wurde 1996 geboren. Die ersten Steine wurden in der Kreuzberger Oranienstraße verlegt. Unterdessen liegen weit über 5.000 Steine in Berlin und über 45.000 Steine in ganz Europa. Die aktuellen Steine in Tiergarten erinnern an die Deportation einer Familie mit 9 Kindern nach Auschwitz im Jahre 1942. An der Stelle des ehemaligen Wohnhauses dieser Menschen wurde in diesen Tagen am Hansaplatz an dieses grausame Verbrechen erinnert. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass das Hansaviertel in Berlin den höchsten Anteil an jüdischen Mitbewohnern besaß und als erster Wohnbereich als „Judenfrei“ gemeldet wurde. Im Krieg wurde dann das gesamte Viertel fast vollständig zerstört. Die…

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