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    Verrichtungsboxen

    An der Osloerstraße im Wedding sind nagelneue Bio-Toiletten aufgestellt worden. Nachdem nun auch ein selbstbestimmtes Sterben von unserem höchsten Gericht erlaubt worden ist, plant der Senat von Berlin bald an den bekannten sozialen Brennpunkten der Stadt Boxen aufzustellen, in denen sich Menschen – welche im System Kapitalismus gescheitert sind – selbst entsorgen können. Die Reste der menschlichen Hülle werden zu Dünger (Foto) verarbeitet. Evtl. vorhandene Angehörige erhalten eine pauschale Ausgleichzahlung in Höhe von 5.000 € für die eingesparten Sozialhilfe- und Rentenkosten. Auch dies ist wieder ein zielführendes Projekt der Gruppe „H 5“ zur Optimierung der Leistungsgesellschaft. Rikscha fahren – immer ein Vergnügen.

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    Respect

    Meine Seele hat es eilig ​​Ich zählte meine Jahre und entdeckte, dass mir weniger Lebenszeit bleibt als die, die ich bereits durchlebte. ​Ich fühle mich wie jenes Kind, das eine Packung Süßigkeiten gewann: Die ersten aß es mit Vergnügen, doch als es merkte, dass nur noch wenige übrig waren, begann es sie wirklich zu genießen. ​Ich habe keine Zeit mehr für unendliche Konferenzen, wo man Statuten, Normen, Verfahren und interne Vorschriften diskutiert; wissend, das ​nichts erreich​t wird. ​Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ​ungeachtet ihres ​Alters nicht gewachsen sind. ​Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Versammlungen sein, wo aufgeblähte…

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    Ich bin Sebastian Berlin

    In stiller Trauer Anna Bagratuni (Ukraine) Georgiy Bagratuni (Ukraine) Sebastian Berlin (Deutschland) Nada Cizmar (Tschechische Republik) Fabrizia di Lorenzo (Italien) Dalia Elyakim (Israel) Christoph Herrlich (Deutschland) Klaus Jacob (Deutschland) Angelika Klösters (Deutschland) Dorit Krebs (Deutschland) Lukasz Urban (Polen) Peter Völker (Deutschland)       gestorben im Dezember 2016 in Berlin Die Chronik

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    Barbara

    In Berlin gibt es viele süchtige Menschen. Viele der obdachlosen Menschen sind nur ein kleiner Teil davon. Der weitaus größere Teil bleibt unsichtbar. Ende 1975 traf der damalige Chef des Jüdischen Krankenhauses – Prof. Dr. Lothar Schmidt – einen Freund der gerade zu einem AA-Meeting ging. Er begleitete ihn dorthin und wunderte sich über die Offenheit und Ehrlichkeit der Menschen dort. Dieses einfache Programm aus den U.S.A. verhalf offensichtlich vielen der anwesenden, komplizierten Alkoholikern zur Abstinenz. So führte er dieses Programm als einer der ersten Ärzte in sein Berliner Krankenhaus ein. Deswegen war „Das Jüdische“ lange Jahre eine Instanz und die beste Einrichtung für eine Entgiftung in Berlin. Dort arbeitete…

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    Jonny K.

      Gestern vor 5 Jahren wurde Jonny am Alex erschlagen. Die Täter sind frei und rühmen sich mit ihrer Tat. Die allgemeine, gesellschaftliche Verrohung schreitet voran. Hilflose Personen werden liegen gelassen, Zivilcourage wird oft genug bestraft. Trotzdem kämpft Tina, die Schwetser von Jonny unermütlich dafür zukünftig einzuschreiten bei Gewalt und nicht wegzuschauen. Nur im Moment hat sie anderes zu tun. Sie erwartet in diesen Tagen ihr erstes Kind. Und sie sieht total glücklich aus dabei. Es kamen einige Menschen zusammen um an Jonny zu denken – NICHT an die Täter. Und es gab nur wenige egoistische Fahrradfahrer, die mit Scheuklappen laut klingend auf ihr Recht bestanden den Radweg vor dem…

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    Jaki Liebezeit

    Bevor ich mich der New Wave Pop Musik hingab, gab es durchaus einige Vorbilder, welche mich prägten und auch später in der Band inspirierten. Ganz vorne dabei waren CAN und NEU. Nun ist ein Musiker aus dieser Zeit von uns gegangen. And you’re just another hero riding through the night Riding through the city Honey went to Norway, to Norway And you’re just another hero riding through the night Riding through the city, trying to lose your mind Oh, another hero, another hero And you’re just another hero trying to lose your mind Riding through the city, trying to lose your mind Your Honey went to Norway, hero, hero And…

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    Langweiliges Berlin

    Aus Allerheiligen wird Halloween, aus Raider Twix. Aus den historischen „Terrassen am Zoo“ im 1. Stock des Bahnhofs – welch ein Wunder – „Mc Donalds“. Nach fast 10 Jahren des Leerstands hat nun derjenige den Zuschlag bekommen, der gesellschaftlich und politisch der heutigen, globalen Welt entspricht. Nicht, dass ich mir das spießige und überteuerte Restaurant der alten Zeit (Wiener Würstchen  mit Kartoffelsalat aus dem Eimer; draußen nur Kännchen)  zurück gewünscht hätte, aber ein bisschen mehr Innovation und Wagemut von der Bahn AG an dieser Stelle hätte ich schon gewünscht – keinesfalls erwartet. Das romantische Flair des Lesser-Ury-Bogens am Savignyplatz wurde bereits vollständig zerstört. Die Bahn AG hatte vor 2 Jahren…

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    Klimaflüchtling

    Während in Paris über die Rettung der Welt gesprochen wird, geht diese in der Realität bereits unter. Offiziell gibt es noch keine Klimaflüchtlinge. Aber wenn es dann bald vermehrt nötig werden wird vor dem Wetter zu fliehen, werden diese Menschen dann hier als Flüchtlinge anerkannt werden? „Wo die Welt gerade untergeht“ „Wo Hoffnung ist“ Aber: Rikscha fahren ist immer ein Vergnügen.

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    Schneckenrennen

    Steigt man aus der Rikscha aus und verlangsamt das Tempo noch einmal drastisch, so wird auch der Blick auf die Gesetze der Natur geschärft. Zuerst sah ich, dass die Gartenkunst der Kollegin Barbara jetzt erst vollkommen ist. Anschließend konnte ich ein Schneckenwettrennen an der Wand vom Schloss Bellevue beObAchten. Als wir dann vom Anhalter Bahnhof in den Park am Gleisdreieck – das alte Rangiergelände des Anhalter Bahnhofs und des Potsdamer Güterbahnhofs – liefen, entdeckten wir so manches Juwel, was hinter Zäunen offen oder auch versteckt die Zeit gesegnet hatte. Ein wunderbarer Spaziergang zu einer wunderbaren Herbstzeit. Aber sehen Sie selbst:        

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    Rikschafahrer bekommen keinen Herzinfarkt

    Pünktlich zum Ende des Sommers ziehen hin und wieder Nebelschwaden auf und verklären so manche Motive zu romantischen Bildern. So steht dann am Morgen das Bettenhaus der Charité wie eine weithin sichtbare, eher gruselige Kriegsruine mitten in Berlin. Die Sanierungsarbeiten sollen aber bis 2016 abgeschlossen sein und mit 220 Mio. € im Kosten- und Zeitrahmen bleiben. Dann zieht auch wieder die Kardiologische Abteilung zurück in den 7. Stock des Hauses und wird Leben retten. Fachlich ist dieses Haus eines der renommiertesten Häuser in Europa und unbedingt zu empfehlen. Aber auch das Pflegepersonal der Station ist redlich bemüht gute Arbeit zu leisten. Fragt man nach einer Zeitung, danach gewaschen zu werden,…

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