• Tagebuch

    Ost oder West?

    Während meiner Zeit als Rikschafahrer wurde ich immer regelmäßig gefragt ob ich aus dem Osten oder aus dem Westen käme. Meine diplomatische Antwort war stets: „Aus dem Süden“, weil ich in Lichterfelde aufgewachsen bin. Mit dieser Antwort wollte ich die Unterscheidung zwischen Ost und West endlich aus der Welt schaffen; zumindest in der Zeit bei mir in der Rikscha. Mit der Corona-Pandemie ist nun auch der Umsatz dieser Branche zusammengebrochen. Die meisten Fahrer sind woanders tätig, bleiben einfach Rentner, reisen und/oder schreiben Bücher. Alles hat seine Zeit und so findet wieder einmal eine drastische Änderung in Berlin statt. Obwohl die Zahl der Touristen stark zurückgegangen ist, stehen all überall mitten…

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    Hauptbahnhof olé

    Kommt der werte Leser am Hauptbahnhof an, so ist er oft überfordert mit den vielen Einflüssen, den Geschäften und Menschen. Vor allem mit dem Finden des Weges. Beide Seiten des Gebäudes sehen genau gleich aus und deutliche Hinweisschilder wo sich was befindet fehlen komplett. So irrt der Passagier hilflos umher auf der Suche nach dem richtigen Ausgang. Oder aber man/frau wartet auf den Anschlusszug. Nur gibt es dafür überhaupt keinen Raum. Für Raucher befindet sich die Wartezone vor einer der beiden Eingänge an den dort befindlichen stylischen Aschenbechern, welche stets qualmen und einen beißenden Gestank verbreiten. Als Unterhaltung gibt es zahlreiche Bettler die versuchen einem Geld für eine Obdachlosenzeitung, Hilfsprojekte…

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    Urumqi – Hamburg

      Ein Tag in der Rikscha ist immer voller Begegnungen. So kam ich heute am Hotel „Westin Grand“ an. Vor der Türe standen zwei Jeeps mit mutmaßlich chinesischem Kennzeichen, welche mir schon Tags zuvor auf der Friedrichstraße aufgefallen waren. Ich fotografierte diese Autos und dabei kam einer der Begleiter der russischen Reisegruppe zu mir. Er ist seit fast 50 Tagen mit 6 Personen in 2 Fahrzeugen von China hierher unterwegs gewesen. Scheinbar nicht ganz arme Menschen hatten sich diese Reise geleistet und waren nach 6.500 km hier in Berlin nun fast am Ziel angekommen und im o.g. Hotel abgestiegen. Was es so alles gibt. Hier können Sie diese Reise buchen.…

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    Lethargie im Hansaviertel

    Manchmal irren kleine Gruppen von Touristen in meiner Wohngegend umher. Meistens sind es Italiener, die in ihrem Reiseführer vom berühmten Hansaviertel gelesen haben. Hier angekommen staunen sie dann nicht schlecht wie langweilig es hier ist. Außer dem Baumkuchencafe an der Ecke mit Dampferanlegestelle und einer Currybude (beide leben bestens von den Touris!) gibt hier aber auch überhaupt nichts Interessantes zu entdecken. Es sei denn, man wohnt hier. Dann erschließen sich manche Dinge besser. Zu scheinbar festgelegten Zeite sitzen auf meinem Hinterhof einige Mieter mit Thermokaffeebechern und/oder Bierflaschen auf billigen Plastikstühlen an einem Tisch mit einer bunten Plastikdecke und schimpfen über die Ausländer, die Regierung, oder über Irgendetwas anderes. Besserwissen – des Berliners…