HaHoHe

Auch wenn Hartha auf dem 11. Platz der Tabelle steht, ist das Stadium heute ausverkauft. Und dies bei Durchschnittspreisen um die 50 €! Schalke kommt. Der Klassiker.

Auf der anderen Seite gibt der Verein auch gerne sein Geld aus. So zum Beispiel hat er einen Partnervertrag mit dem Grünflächenamt Berlin-Mitte geschlossen. Im Berliner Tiergarten leuchten nun sämtliche Parkbänke, Müllbehälter und Laternenmasten in den Herthafarben. Trotz des besoffenen Vandalismuses dieser Lokalpatrioten ist der Park jetzt in einem viel besseren Pflegezustand, als in den letzten Jahren. Fazit: Ein neuer Besen kehrt gut.

Leider ist schon wieder ein alter Haudegen von uns gegangen…

R.I.P. Steve.

 

Boris Aljinović meint:

Cooler als Berlin ist nur noch …

… eine Stadt, die ich mir gar nicht ausdenken kann. Ich bin hier groß geworden, habe als Schüler in der Disko neben David Bowie gestanden, nach dem Mauerfall meinen Beruf hier gelernt, ihn sehr genossen. Ich bin von Spandau nach Island gesegelt, fühle mich frei und zu Hause und gleichzeitig der Welt angeschlossen. Cooler als Berlin? Wozu?

aus: Berliner Zeitung 11.03.2024

Gestrandet in Berlin

Berlin-Pavillon 1960    Foto: Landesarchiv Berlin, Foto: Gert Schütz

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel konnte man folgende kleine Geschichte lesen:

Als Madjid Asadollahi an einem kalten Abend Ende Februar in Charlottenburg seine Taxi-Schicht antritt, ahnt er nicht, dass er an diesem Tag zum Protagonisten einer filmreifen Geschichte werden soll, die große Ähnlichkeit zum 1992er Hollywood-Klassiker „Kevin allein in New York“ aufweist.

Die Titelrolle, im Film von Macaulay Culkin gespielt, übernimmt der 14-jährige Lenny aus dem 9000-Seelen-Ort Volkach in Unterfranken. Er will seinen Vater mit dem Flixbus im badischen Pforzheim besuchen, verfehlt jedoch durch einen Fehler bei der Ticketbuchung sein Ziel um einige hundert Kilometer und strandet allein in der 3,9-Millionen-Metropole Berlin. Anders als im Kultfilm trifft Lenny jedoch nicht auf zwielichtige Großstadtganoven, sondern auf den Berliner Alltagshelden Madjid Asadollahi. Der 59-Jährige nimmt ihn in seinem Taxi auf und zeigt ihm so lange Berlin, bis seine Mutter aus Bayern angereist ist.

Zu Tränen gerührt wischte sich Madjid über sein Gesicht, als er am Montagnachmittag von Taxi-Berlin-Geschäftsführer Hermann Waldner für seinen selbstlosen Einsatz geehrt wurde. Sichtlich unangenehm war ihm offenbar der Trubel um seine Person. Ein kleines Taxi-Museum auf dem Gelände des Unternehmens in der Friedrichshainer Persiusstraße bot mit historischen Taxametern und alter Funktechnik eine passende Kulisse für die Zeremonie.

Madjid Asadollahi wurde 1964 in Iran geboren, kam als 21-Jähriger für ein Medizinstudium in Münster nach Deutschland. Er verlor das Interesse am Studium, es zog ihn nach Berlin, wo er fünf Jahre als Bademeister am Brieselanger See westlich von Spandau arbeitete. Seit 1992 arbeitet er als Taxifahrer. Um 19 Uhr stand er an jenem Abend am Taxistand des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) und wartete auf seinen ersten Kunden, als der aufgeregt wirkende Lenny in sein Taxi stieg. „Gott war auf meiner Seite“, erinnert sich Madjid an den Abend.

Lenny hatte seine Irrfahrt in Würzburg angetreten. Das im unterfränkischen Landkreis Kitzingen gelegene Volkach ist nicht gerade die am besten angebundene Ortschaft in der Region. Es gibt dort nur eine für Touristen betriebene Bahnstrecke mit Oldtimer-Triebwagen. Der Bahnhof erinnert eher an eine Station der Berliner S-Bahn.

Lennys in Baden-Württemberg lebender Vater soll für ihn online das Flixbusticket gebucht und dabei einen Fehler gemacht haben. Die Fahrt des Jungen endete nicht wie geplant in Pforzheim, sondern am ZOB in Charlottenburg – nicht der einladendste erste Eindruck von der Hauptstadt. Der „Tunnel des Grauens“, die düstere und verdreckte Fußgängerunterführung zwischen dem ZOB, dem ICC und den Messehallen, liegt gleich in der Nähe.

Am Telefon machten Lenny und seine Mutter aus, er solle sich per Taxi zum Hauptbahnhof begeben und dort auf sie warten, sie komme mit dem Auto. Nur lag vor ihr mit über 500 Kilometern eine lange Fahrt, die erst mitten in der Nacht enden würde. Zu einer Zeit also, wenn sich ein 14-Jähriger nicht mehr allein im Hauptbahnhof-Labyrinth aufhalten sollte.

Das sah auch Madjid Asadollahi so, als er mitbekam, in welcher Lage sich sein junger Fahrgast befand. Einen 14-jährigen Jungen abends am hektischen und unübersichtlichen Hauptbahnhof absetzen und allein auf seine Mutter warten lassen? „Das geht nicht“, entschied Madjid und telefonierte mit der Mutter des Jungen. „Mama Andrea“, sagte er, „mach dir keine Gedanken. Ich zeige ihm ein bisschen die Stadt, damit er zur Ruhe kommt.“ Madjid übermittelte ihr seinen Namen, die Handynummer und ein Foto des Taxis samt Kennzeichen und verzichtete auf seine eingehenden Aufträge.

Als Taxifahrer eignet man sich eine gewisse Abgeklärtheit an und eine ausgezeichnete Kenntnis der Stadt – doppeltes Glück im Unglück für den gestrandeten Lenny. Mit über 30 Jahren Erfahrung drehte Madjid mit ihm seine gewohnten Runden durch Berlin und gab ihm seine ganz persönliche Sightseeing-Tour. Brandenburger Tor, Reichstag, Potsdamer Platz – der unverhoffte Berlin-Tourist wird bei seiner Heimkehr wohl viel zu erzählen gehabt haben.

„Lenny, hast du schon was gegessen?“, fragte Madjid seinen jungen Fahrgast. Als sie in der Straße des 17. Juni bei einem Burgerladen einkehrten, wollte er für ihn etwas Verpflegung kaufen, doch Lenny bestand darauf, ihn zum Essen einladen zu dürfen. „Ich habe ihm versprochen, dass er mein Gast sein würde, sollte er noch einmal in Berlin sein“, erzählt Madjid noch immer gerührt.

Um die Wartezeit zu verkürzen, rief Madjid noch einmal die Mutter des Jungen an, mit dem Angebot, ihr im Taxi entgegenzukommen. An der Autobahn bei Potsdam fanden sie zusammen, die Mutter konnte ihren Lenny endlich wieder in den Arm nehmen.

Für Madjid ist der Großteil seines Verdiensts während seiner Schicht ausgeblieben, seine selbstlose Hilfe war für die Familie aus einer bayerischen Kleinstadt jedoch unbezahlbar. Ganz leer ging Madjid nicht aus: Bei seiner Ehrung durch Taxi-Berlin-Chef Waldner dankte ihm dieser für seinen Einsatz und übergab ihm eine Prämie als Ausgleich für die ausgefallene Schicht. Noch wichtiger war für Madjid etwas anderes, das er mit einem persischen Sprichwort umschrieb: „Wirf etwas in die Sahara und etwas Gutes kommt zurück. Das bedeutet: Tue etwas Gutes und du bekommst nur Gutes zurück.“

Nie wieder ist jetzt

Heute wurden vor dem Gymnasium Tiergarten in der Altonaerstraße, in Anwesenheit der Enkeltochter und einer kleinen Gruppe Menschen, zwei neue Stolpersteine, zum Andenken an Nathan und Ida Hess, verlegt. In der Einladung hieß es: „Nathan war von Beruf Schneider, liebte aber auch das Angeln und Schreiben. Er schrieb für die Zeitschrift Freie Angler. Ida war Näherin und kochte gerne. Sie hatten drei gemeinsame Kinder und lebten hier glücklich und zufrieden bis zur Nazizeit. Nathan und Ida versuchten mehrmals Deutschland zu verlassen, aber es gelang ihnen nie. Sie wurden 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet.

Die Veranstaltung wurde von einem Polizisten und einer Polizistin „beschützt“. Den beiden Beamten war es wichtiger, dass dieser weißgott superbreite Gehweg vollständig durchgängig blieb. Die Magie, die Ungestörtheit dieses emotionalen Momentes zu achten schien ihnen weniger wichtig zu sein. Als ich die beiden im Nachhinein und die große Schuld unseres Volkes ansprach, sprachen sie sich selbst und stellvertretend auch gleich noch ihre Vorfahren von jeder persönlichen Schuld frei. Sie alle hätten damit nichts; aber auch gar nichts damit zu tun gehabt. Soso. So geht Geschichtsbewußtsein heute in Teilen der Polizei.

So habe ich nun heute wohl zwei der wenigen Menschen kennengelernt, die  weder Täter noch Mitläufer aus der Nazizeit in der Familienchronik haben. Und das einen Tag nachdem ich den Film „Zone of Interest“ über den Lagerkommananten von Auschwitz, Rudolf Höß, gesehen habe.  Nachhilfe in Geschichte gibt es zur Zeit im Kino.

Mit 74 Jahren fängt das Leben erst an

Quelle: RBB Screenshot

Die „Reporterlegende“ Reporter Ulli Zelle kann es auch im weit fortgeschrittenen Alter nicht lassen, sich tagtäglich den Zuschauern in der Berliner Abendschau anzubiedern.  Nun ist er auch noch zum Double von Willy Schwabe mutiert und sagt, nicht am Montagabend, sondern sogar am Samstagabend die alten „Schätze“ aus dem Archiv an. Wenn auch nicht annähernd so kreativ wie das Original. Noch gruseliger als heute, wurde es damals nur nach dem Montagsfilm auf DDR I.

So versucht der RBB offensichtlich Kosten zu sparen und richtig schlechte Filme durch seinen vorherigen Auftritt aufzuwerten. Ob Herr Zelle knapp bei Kasse,  Arbeit sein einziger Lebensinhalt ist und der RBB keinen jungen Nachwuchs oder einfach keinen frischen Wind in den heiligen Hallen mag, weiß ich nicht. Eines aber ist gewiss: Mit dieser Art Programmgestaltung und Moderationen aus den 1980ern wird man altersbedingt nicht mehr lange die letzten verblieben Rentner aus Ostdeutschland und West-Berlin aus der Rumpelkammer hervor holen.

Also weiterhin alte Strukturen und Champagner für gestandene Mitarbeiter und Gummibärchen für die Zuschauer.

 

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Chrupalla olé

Gestern kapitulierte Herr Lanz in seiner Sendung vor Herrn Herrn Chrupalla und gab die Moderation an den Schreihals ab. Hier der Kommentar der Berliner Zeitung.

Und hier der gestrige Auftritt des wildgewordenen Handfegers, neben dem hilflosen Herrn Lanz.

 

Dreck auf Berlins Straßen

Berlin verdreckt immer mehr. Dazu stehen auch tausende unbenutzte und aufgegebene Fahrräder überall in der Stadt herum. Sogar die alte Rikscha steht seit vielen Jahren am Kemper Platz und vergammelt dort. Als ich heute  eine Cycle Maximus-Rikscha kurz als „zu verschenken“ inserierte, antworteten über 20 Interessenten im Minutentakt. Sie wollten sie gerne nutzen. Eine Frau wollte damit z.B. Essen zu den obdachlosen Menschen bringen!

Dies zeigt was möglich wäre, wenn nicht jeder nur mit sich selbst beschäftigt wäre, sondern auch hin und wieder sozial denken würde, anstatt sein ausgediehntes Fahrzeug rücksichtslos einfach im öffentlichen Raum verrotten zu lassen. Leider Gottes ist gerade diese Rikscha ein exemplarisches Abbild der Konsumgesellschaft und zeigt symbolisch  den moralischen Untergang auch in meiner bisherigen Branche.

Einer Branche die einst das schöne Berlin zeigen wollte und das auch konnte.